Philhellenismus

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Philhellenismus

Am 7. März 1821 begann der griechische Aufstand gegen die türkische Fremdherrschaft. Schnell greift eine Soldidaritätswelle auf die europäischen Länder über. Ihr philhellenisches Argument: „Europa verdankt den Griechen seine Kultur, also ist jetzt Solidarität mit den Griechen Dankesschuld.“ In einer anonymen deutschen Schrift aus dieser Zeit heißt es: „Darum, wenn Europas Völker den glänzendsten Beweis ablegen wollen, daß sie wahrhaft gebildet seien, wie sie sich oft rühmen (...), so mögen sie nur nicht vergessen, daß lebendige Dankbarkeit der erste und gültige Beweis eines guten Herzens und aller wahren Bildung sei.“

Der Gründung von philhellenischen Vereinen folgt dann auch eine tatkräftigere Unterstützung. Vornehmlich aus Deutschland ziehen Freiwillige in das Land Homers, um vor Ort für die Freiheit der Erben von Agamemnon, Solon und Aristoteles zu kämpfen. „Es war beim Untergang der Sonne, wo ich meiner Gewohnheit gemäß an der Prora saß, den Homer im Schoß, als der Kapitän mir durch sein Fernrohr die Berge von Kephallenia zeigte. Es war der erste Punkt von Griechenland, den ich sah; ich habe ihn empfunden an dem freudigen Herzenschlag, so warm und kühn und hoch, als wenn die junge Liebe die Liebe erblickt.“, notiert Christian Müller 1821 in seinem Tagebuch. Hierin zeigt sich: nicht nur politische oder religiöse Gründe führen zur Unterstützung, sondern in gleichem Maße auch emotionale, die der Befreiung der warmen und kühnen und hohen Liebe, hier als Synonym für Hellas dienen.

Aber auch aus Frankreich, Italien und England ziehen immer mehr Philhellenen in den griechischen Befreiungskampf. Unter diesen Freiwilligen ist auch Lord Byron, der in Missolunghi sein Leben, zwar nicht im Kampf, gleichwohl aber für den Kampf opferte. „Die Rückbesinnung der Europäer auf ihre gemeinsame kulturelle Tradition hat sie damals für eine gerechte Sache vereint.“ Stereotyp klangen die Argumente aus den europäischen Ländern: „Unsere Gesetze, unsere Literatur, unsere Religion, unsere Künste haben ihre Wurzeln in Griechenland“, schreibt der Engländer Percy Shelly in seinem Drama „Hellas“. Und Victor Hugo bekennt: „Wir sollen es nie vergessen, daß die Kultur der Welt nur eine Großmutter hat, die Griechenland heißt.“

Nach der Befreiung Griechenlands und die Einsetzung eines Königs aus der wittelbachischen Dynastie wird das Reisen im Land einfacher. Es mehren sich die Reiseberichte.

Die Reisenden, die Hellas besuchen, sind weitgehend durch die humanistische Bildung geprägt, die nach Ansicht Wilhelm von Humboldts durch das intensive Studium der alten Griechen erreicht werden konnte. Humanistische Bildung meint hier die Idee der vollkommenen Menschlichkeit. Demzufolge vermittelten die humanistischen Gymnasien auch ein „idealisiertes Bild der Antike“. Von diesem Bild geleitet und von Homers „Illias“, Thukydides „Peleponischen Krieg“ und Pausanias „Beschreibung Griechenlands“ begleitet, suchten die Reisenden die Ruinenstätten auf. „Die Reise wird mit einer festen Vorstellung des griechischen Altertums angetreten, die man im Land bestätigt findet bzw. sich bemüht, sie bestätigt zu finden.“

Und so werden auch landschaftlich weniger reizvolle Gebiete mit einem Seidentuch glanzvoller griechischer Geschichte kaschiert. Über die Küste der Peloponnes heißt es: „Diese Ufer, von denen die Reisenden mit Geringschätzung sprechen, scheinen mir im Gegenteil eine sehr schöne Zeichnung von der Natur erhalten zu haben...Der Schauplatz ist leer, aber es liegt in ihm eine Fülle von Vergangenheit; die Erinnerung bevölkert alles! Jene schwärzliche Gruppe von Hügeln, Vorgebirgen, Tälern...hat allein mehr Aufsehen erregt, mehr Rum, mehr Glanz, mehr Tugenden und mehr Verbrechen hervorgebracht, als alle Erdteile zusammen.“

Die Ebenen bei den Thermopylen, auch eine Landschaft ohne besondere optische Anreize, wird durch die immense Bedeutung für die europäische Geschichte hervorgehoben. „Die Thermopylen sind das heilige Grab edler Tapferkeit und begeisterter Aufopferung und werden es bleiben für alle kommenden Geschlechter, und wenn auch tausend blutigere Schlachten noch gekämpft werden sollten, wie sie schon gekämpft worden sind; denn nicht die Menge des vergossenen Bluts, sondern die Wichtigkeit der Sache, um die gefochten wird, und die freiwillige Hingabe der Tapferen, welche für einen guten Zweck sich opfern, adeln einen Kampf.“

In diesem Stil werden auch die Bauwerke menschlichen Schaffens hinauf gehoben in göttliche Hemisphären. „Alles verschwindet vor dem unvergleichlichen Parthenon, dieser Tempel der Tempel...eine Art von göttlicher Offenbarung der idealen Schönheit...“ Ergriffen fragt sich auch Hermann Hettner, Direktor der Antikensammlungen zu Dresden, auf seiner Reise im Jahre 1852: „Ob sich wohl jemals wieder ein Stück Erdenrund finden wird, das an Kunst und Schönheit dieser Akropolis von Athen gleicht?“

 

 

 

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